Warum das Vorgehen rund um die Absage des Rembrücker Adventsmarkts und des Heusenstammer St. Nikolausmarktes falsch ist.
Kommentar von CDU-Vize Steffen Ball:
Nun ist es also beschlossen. Der Magistrat hat sich „schweren Herzens“ dazu entschieden, die weihnachtlichen Märkte in #Rembrücken und #Heusenstamm abzusagen, begründet das u.a. mit „immer wieder neuen Vorgaben durch die Verordnungen des Landes“ und gesundheitlichen Aspekten, Zitat: „Aufgrund der Vorgaben der Landesregierung hätte die Durchführung des Marktes Zugangskontrollen und die Beschränkung der Besucherzahlen zur Folge gehabt“.
Ja, das ist wohl wahr. Natürlich hätte es Zugangskontrollen geben müssen. Natürlich wären die Märkte andere gewesen als in den vergangenen Jahren und völlig selbstverständlich steht der Gesundheitsschutz der Bevölkerung an erster Stelle. Das ist, mit Verlaub, doch klar.
Aber: Advents- und Nikolausmarkt sind viel mehr als Ess- und Trinkveranstaltungen. Sie sind wichtiger Kitt in unserer Gesellschaft, sie sind wichtig für die Vereine, sie fördern den Zusammenhalt in Rembrücken und Heusenstamm – und verantwortungsvolle Gemeinschaft ist gerade in Krisenzeiten so wichtig für das gesellschaftliche Miteinander. Für uns. Unsere Seele.
Jetzt die Märkte einfach so per Mitteilung aus dem Amt abzusagen, halte ich für falsch. Es heißt aus dem Rathaus, dass das Thema den Magistrat seit Monaten beschäftige und dass der Fachdienst für Sport und Kultur „immer wieder Konzeptvarianten für die mögliche Durchführung“ vorgelegt habe. Das glaube ich gerne – ich kenne fleißige MitarbeiterInnen aus Sport- und Kulturamt sehr gut und habe diese Aussage nicht im Geringsten in Frage zu stellen.
Aber: Wo wurden diese Konzepte veröffentlicht? Was war darin vorgesehen? Wie sahen die diversen Konzepte aus?
Ich weiß es nicht, ich kenne sie nicht – aber ich bin seit vielen Jahren wie viele andere Heusenstammerinnen und Heusenstammer ehrenamtlich auf dem Markt tätig und ich hätte mich schon gerne mit diesen „Konzepten“ auseinandergesetzt. Sie diskutiert. Verstanden, oder eben auch nicht. Aber – nichts, keine Veröffentlichung, keine Öffentlichkeit, nix (übrigens: Stand jetzt, Sonntagabend, findet sich die Absage des Marktes noch nicht einmal auf der städtischen Webseite).
Wer mit Vereinen und Organisationen Märkte gemeinschaftlich stemmt, hat nicht das Recht, diese Vereinbarung einfach einseitig aufzukündigen.
Wir hatten eine Idee entwickelt, gemeinsam (!) mit Vereinen ein dezentrales Marktkonzept zu erörtern an Plätzen und Orten, die gut zu überwachen sind, an denen Zugang und Abstand organisiert und kontrolliert werden können. In der Mitteilung der Stadt heißt es nun. „Die Nachverfolgung von etwaigen Infektionsketten wäre praktisch unmöglich gewesen.“ Das denke ich nicht – Sportvereine beweisen jede Woche, dass genau das funktioniert, ebenso unsere Restaurants und Lokale. Natürlich ist das möglich. Siehe z. B. die vergangenen Konzerte vom Blasorchester, die Jazzveranstaltungen in der KostBar, das Weinfest auf dem TSV-Gelände…
Ich will jetzt gar nicht darauf eingehen, dass die Corona-Viren nach wissenschaftlichen Erkenntnissen (siehe Sonntags-FAZ von heute) natürlich wesentlich stärker in geschlossenen Räumen statt im Freien übertragen werden.
Mich verblüfft das Vorgehen, das Verschanzen in Amtsräumen und das uns auferlegte gefühlte Denkverbot.
Natürlich hätte man Gemeinschaft mit Abstand organisieren können. Die Vorstände in unseren Vereinen sind nicht zu vergleichen mit verantwortungslosen Ballermann-Wirten, wir Heusenstammerinnen und Heusenstammer nicht mit hirnlosen Corona-Leugnern in Berlin oder Opernlatz-Chaoten in Frankfurt.
Ein bisschen mehr Verantwortungsbewusstsein kann man uns von städtischer Seite schon zutrauen, ein bisschen mehr Transparenz von Seiten der Stadtspitze wäre schon hilfreich. Und ein bisschen mehr Glaube an Freiheit und persönliche Verantwortung auch. Zutrauen eben.

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